Donnerstag, 30. April 2009

Fair Trade und traurige Wahrheiten

So, da ich mittlerweile wohl chronisch an Schlaflosigkeit leide, verfasse ich doch noch einen Post, bevor ich mich zur Ruhe lege. Ich hoffe (es ist zumindest beabsichtigt), dass es ein eher inhaltsvoller Post wird und ich entschuldige mich schonmal im Vorraus, falls er ein bisschen zäh wird, aber es geht um einen Aspekt, der mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt.

Ich hab im vorangegangenen Post (Piraten - Helden der Meere | sehr lesenswert :-P) erwähnt, das wir, als westliche Welt andere Länder ausbeuten. Zum Glück gibt es Menschen, die das merken, auch bei uns, und die etwas dagegen unternehmen wollen. Ja, diese Menschen gibts, auch wenn sie eher selten sind, beziehungsweise oft nur aus Heuchelei agieren. Diese Menschen haben sich Methoden überlegt, wie man Entwicklungsländern unter die Arme greifen kann. Abgesehen von politischen Maßnahmen, die in diesem Post wirklich den Rahmen sprengen würden, auf die ich aber früher oder später in einem weiteren Beitrag noch eingehen werde, gibt es da vor allem den "Fair Trade".
Das Prinzip ist sehr einfach: Bauern in Entwicklungsländern erhalten für ihre Waren im Normalfall nur einen minimalen Bruchteil des Wertes, für den das Produkt am Ende in den Industrienationen verkauft wird. Sagen wir mal 5% (weils so leicht zu tippen is :-P). Die restlichen 95% fließen an Zwischenhändler auf dem Weg, den Transport oder den Endverkäufer. Das läuf in etwa so ab: Der Bauer verkauft sein Produkt an einen Zwischenhändler, der transportiert es ein Stück und verkauft es dann an einen weiteren Zwischenhändler, der es wieder ein Stück transportiert und dann erneut verkauft. So geht das, bis das Produkt in der ersten Welt angekommen ist.
Beim Fair Trade, versucht eine Organisation einige Zwischenhändler wegzunehmen und so dem Bauern mehr Reingewinn zu ermöglichen. Das ist der Idealfall. Den meisten Leuten wird jedoch aufgefallen sein, dass Fair-trade-Produkte in der Regel teurer sind, als normal gehandelte Produkte. Das ist ein zweiter Fall: Hier wird das Produkt einfach nur als Fair-trade-Produkt gekennzeichnet und mit dieser Kennzeichnung dann teurer verkauft, wodurch der Bauer einen größeren Gewinn erreicht. Die Leute, die es kaufen, wissen, dass es teurer ist, wissen jedoch auch warum und sind bereit dafür mehr auszugeben.
Aber dieser zweite Fall hat einen großen Haken: Er verzerrt den Markt. Das Prinzip "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" stimmt nicht mehr. Ein Beispiel hierzu: In Afrika leben zwei Bauern, die beide Kaffee anbauen. Ihre Produktionsmenge entspricht jeweils 10 Sack Kaffee. Bauer A verkauft seinen Kaffee über eine Fair-trade-Organisation und erhält 10$ p.S. (pro Sack). Bauer B verkauft seinen Kaffee auf die herkömmliche Art und erhält 5$ p.S.. Der Kaffee von Bauer A wird nach Deutschland verschifft und dort als Fair-trade-Kaffee verkauft. Die Nachfrage an Fair-trade-Kaffee wird durch die Menge von Bauer A genau gedeckt. Bauer B sieht nun, dass Bauer A mehr verdient und verkauft seinen Kaffee in Zukunft auch über eine Fair-trade-Organisation. Der hohe Preis, den Bauer A erzielt, lässt in diesem Fall auf eine hohe Nachfrage schließen, die nicht vorhanden ist. Wenn nun beide Bauern ihre 20 Sack Kaffee über eine Fair-trade-Organisation verkaufen, gibt es in Deutschland doppelt so viel Fair-trade-Kaffee, wie benötigt wird. Daraus folgt, dass der Preis sinkt und daraus wiederum folgt das die Organisation den Bauern nicht die versprochenen 10$ pro Sack bieten kann. Das Ausscheiden des Bauer B aus dem herkömmlichen Kaffemarkt wird aufgrund dessen Größe im Vergleich zum Fair-trade-Kaffeemarkt keine Auswirkungen auf den ersteren haben. Es wird auch keine weiteren Konsumenten in den Fair-trade-Markt schieben, da die Fair-trade-Produkte weiterhin teurer sind, als die herkömmlichen Waren. Die Prinzipien der Marktwirtschaft bleiben hier steinhart.
Ich war ein bisschen schockiert, als ich zu diesem Schluss gekommen bin. Und selbst danach habe ich mir sehr lange versucht einzureden, dass ich irgendwas übersehen habe, da die Idee des Fair Trade eigentlich richtig gut ist. Aber auch sie lässt sich, wie die meisten Sozialmaßnahmen, nicht mit den Prinzipien der Marktwirtschaft vereinbaren. Ist auch irgendwie logisch, dass ich den Leuten nicht mehr geben kann, als sie nach Marktlage erwirtschaften. Traurig für den fairen Handel, aber beruhigend dafür, dass die Marktwirtschaft in ihrer Urform noch funktioniert. An dieser Stelle einen kurzen Einschub: Ich halte die Marktwirtschaft, wenn sie konsequent verfolgt wird, für unfehlbar. Probleme wie die aktuelle Finanzkrise haben andere Ursprünge, auf die ich irgendwann in einem Post noch eingehen werde.

Die Illusion Fair-Trade ist hiermit demontiert. Zwischendrin habe ich nochmal gezögert, diese Idee wirklich zu verwerfen, u.a. weil meine Tastatur den Geist aufgegeben hatte. War es ein Zeichen? Oder ein Geist? Mitternacht ist es ja schon... Ich war mir nicht sicher, hab es dann aber doch noch riskiert den Post fertig zu schreiben, aller Geister und Omen zum Trotz.

Nachträgliche Bemerkung: Das Beispiel bezieht sich nur auf den Fall, dass die jeweilige Organisation eine unbeschränkte Aufnahmekapazität von angestellten Bauern haben will. Die marktwirtschaftlichen Prinzipien laufen nicht aus dem Ruder, wenn die Organisation nur ausgewählte Bauern untersstützt, allerdings entsteht in diesem Fall eine Diskrepanz zwischen den Fair-trade- und den konventionellen Kaffeebauern.

Mittwoch, 29. April 2009

Helden der Meere

Sie tragen wilde Bärte, Augenklappen, Holzbeine und natürlich einen Haken statt einer Hand, vergraben ihre geplünderten Schätze auf einsamen Inseln, trinken Grog und Rum, meutern jeden zweiten Tag und sind die wohl unattraktivsten Männer der Welt: Piraten. Trotzdem sind sie irgendwie die Helden der Kindheit und dank "Pirates of the Carribean" auch die der großen Kinder (18+). In den vergangenen Jahren ist ein regelrechter Piratenkult entstanden. Jeder will ein massakrierender, wilder und bis an die Zähne bewaffneter Freibeuter sein. Piraten sind komischerweise trotz überwiegender negativer Eigenschaften beliebt. Dass sie vergewaltigende Räuber waren, wird ganz schnell mal verdrängt, denn sie hatten etwas, dass viele Menschen heutzutage nicht mehr haben: Ihre Freiheit. Auch ich schwelge ganz gern mal in meinem Sessel und stell mir vor, wie es wär, frei zu sein, frei wie ein Freibeuter, nicht frei wie ein Abiturient.
Ein Freibeuter der alten Schule natürlich, denn unsere heutigen Piraten haben etwas an Kultstatus verloren. Keine Bärte, keine Augenklappen oder Haken und vor allem keine Freiheit. Doch merkwürdigerweise kann ich mich auch mit ihnen identifizieren, schon allein, weil sie "Piraten" sind und weil sie noch heute die Schrecken der Meere sind, obwohl sie nur ein erstaunlich kleines Gebiet beherrschen. Diese tapferen Männer schaffen es riesige Nationen zu ärgern und kämpfen mit ihren simplen Methoden gegen die besten Flotten der Welt an. Piraten eben. Doch diese Piraten haben noch einen zusätzlichen Reiz: Sie kämpfen gegen die sozialen Missstände der Welt. Durch eine Region, die zu den ärmsten der Welt gehört, wird tagtäglich ein Kapital in Millionenhöhe geschippert, während wenige Kilometer entfernt die Leute verhungern. Und hier schreien die Piraten laut auf und handeln: Sie nehmen von den Reichen und geben es den Armen. Wie Robin Hood. Wenn das mal keine heroische Kombination ist, die Kinder- und Elternherzen höher schlagen lassen müsste. Denn die lieben Kleinen brauchen ja gute Vorbilder, die ihnen beibringen, was Gerechtigkeit ist, eben wie Robin Hood. Prinzipiell erfüllen die somalischen Piraten diese Ansprüche, wenn da nicht ein Problem wäre. Sie leben zu unserer Zeit und zeigen damit auf, dass die Ungerechtigkeit und die ungleiche Verteilung des Reichtums heute noch genauso gegenwärtig ist, wie im mittelalterlichen Zeitalter des Robin Hoods. Also doch keine Disney-Produktionen über "Hassan, den somalischen Freibeuter" und auch keine Faschingskostüme à la Feinrip-shirt mit Jeans und Panzerfaust. Schade eigentlich, aber die mediale Darstellung der Piraten ist wesentlich düsterer. Die Hintergründe gehen dabei oft verloren oder werden verdrängt. Irgendwie auch verständlich, da wir ja selbst die Bösen in dieser Geschichte sind. Wir sind sozusagen der Sheriff von Nottingham, der die restliche Welt ausbeutet, aber gegen die verhältnismäßig schwachen somalischen Robin Hoods keine Chance hat. Geschichte wiederholt sich eben doch.
Was haben wir aus diesem Post gelernt? Nix? Auch gut, denn er bietet ja nur einen Aspekt der Piraterie, einen Aspekt, der sonst oft verloren geht. Ich jedenfalls verabschiede mich für heute, schaue mir noch ne Folge "Hassan" an und stelle mir in Gedanken schon mein Faschingskostüm für nächstes Jahr vor: Fehlt mir eigentlich nur noch die Panzerfaust.

Darf man in einem Tagebuch eigentlich mehrere Einträge pro Tag verfassen? Ich hoffe mal, nicht dass ich demnächst neben der Nato-Flotte und Sheriff George noch einen deutschen Kontrolldienst für die regelkonforme Führung von Tagebüchern zu meinen Feinden zählen darf.

Schlaflosigkeit und Langeweile - Kombination des Teufels

Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, dass man sich langweilt anstatt zu schlafen. Trotzdem ist das eine mit dem anderen fest verknüpft. Obwohl man eigentlich etwas zu tun hat (schlafen!), schlägt man sich die halbe Nacht um die Ohren ohne auch nur irgendetwas zu machen. Um dem entgegen zu wirken habe ich mich jetzt zu noch später Stunde noch mal aufgemacht. Die Schlaflosigkeit werd ich dadurch zwar nicht los, aber die Langeweile hält sich in Grenzen.
Also sitz ich hier an meinem PC und hör abwechselnd Metallica und Luciano Pavarotti. Vielen Dank an dieser Stelle an die Zufalls-Funktion meines Mediaplayers, die mir in all den Jahren die wunderbarsten Wiedergabelisten gezaubert hat und mich immer wieder überrascht hat mit Kombinationen aus Herz und Blut, die kein Musikproduzent der Welt, und erst recht kein normaler Mensch, für hörbar gehalten oder sogar so veröffentlicht hätte. Hier besteht in der Tat eine Marktlücke, auch wenn mein misshandelter Musikgeschmack wahrscheinlich den einzigen Markt für diese Lücke darstellt. Kombinationen aus Metal und Klassik haben meiner Meinung nach die gleichen blühenden Zukunftsaussichten, wie Elektroautos. Die Wahrscheinlichkeit der Produktion innerhalb der nächsten 10 Jahren ist jedoch auch gleich groß. Schade, aber zum Glück gibts ja den Mediaplayer.
Dabei fällt mir auf, dass ich schon seit 15 min schreibe, ich aber eigentlich die wohl unproduktivste Viertelstunde meines Lebens hinter mir habe :-). Doch da Blogs wie neulich jemand treffend sagte "abgetriebene Gedanken" sind, ist die Masse des geschriebenen Unsinns gar kein Problem. Sie zeugt zumindest von Hirnaktivität, auch wenn die Qualität der Hirnarbeit eher bescheiden ist.

Damit käme ich auch schon zu dem Grund, aus dem ich diesen Blog eröffnet hab. Zum einen ist da natürlich die Langeweile, die mich verfolgt wie ein kleiner Bruder, zum anderen ist da die Freiheit, die der Blog mir ermöglicht. Schreiben was ich will. Was mir grad in den Sinn kommt. Ohne Struktur. Ohne Sinn. Ein mentaler Mülleimer. Entleerung für mein Hirn. Wenn sich jetzt jemand fragt, wie voll das Hirn eines 18-jährigen denn schon sein könnte, hat er natürlich recht. Von einer Völle kann man wohl kaum sprechen. Ironischerweise fühl ich mich sogar eher leer, als voll. Aber gerade diese Leere treibt mich dazu an, etwas zu tun. Diese Leere verursacht wohl auch die Schlaflosigkeit. Nicht, dass ich nicht zum Schlaf komme, weil ich mir Sorgen mache, oder Angst habe. Nein, ich komme nicht zum Schlaf, weil ich heute nichts gemacht habe. Unproduktivität schlaucht mehr, als harte Arbeit. Ich komme nicht zum Schlaf, weil ich nicht weiß, warum ich morgen aufstehen soll. Für einen weiteren Tag, der vorbeigeht, ohne dass man etwas gemacht hat? Mein Leben hat irgendwie den Sinn verloren. Er war einfach weg. Nicht auf eine suizidal-gefährdete, sondern auf eine philosophische Art. Was haben Tage, an die man sich nicht erinnert für einen Sinn? Einzelne Tage voller Untätigkeit sind kaum das Problem. Doch nach mehreren Wochen beschleicht einen eine resignative Stimmung. Wenn man sich schon jetzt nicht mehr erinnert, was man 98% der letzten Woche gemacht hat, wirkt das Leben schnell sinnlos. Klingt auf Anhieb selbstmordgefährdet, aber mir fällt in dem Zusammenhang einfach kein gutes Wort ein, dass ich alternativ zu "sinnlos" verwenden könnte. In Wirklichkeit ist es wohl eher eine Ziel- und Planlosigkeit. Mit einem entsprechenden Ziel würde auch der Sinn wiederkehren. Da ich aber zur Zeit kein Ziel vor Augen habe, werde ich einfach versuchen, durch diesen Blog ein wenig Sinn in mein Leben zu bringen. Selbst wenn mir das dadurch nicht gelingt, kann ich wenigstens meine Gedanke so ein bisschen ordnen. In einem Blog ohne Sinn für einen Sinn im Leben.

Wenn ich jetzt so durchlese, was ich alles geschrieben habe, fällt mir direkt auf, dass ich kilometerweit von meinem eigentlichen Thema abgetriftet bin. Trotzdem bereu ich es nicht, da ich früher oder später sowieso hätte auf den Grund dieses Blogs eingehen müssen. Nebenbei ist diese exzessive Abschweifung ein gutes Beispiel für die teuflische Kraft, die die Kombination aus Schlaflosigkeit und Langeweile inne hat. Sie hat einen elendig langen Blog-Post kreiert, den ich, wenn er nicht von mir wär, eigentlich nie lesen würde. Einfach wegen der Länge. Die Faulheit lässt grüßen ;-)