Sie tragen wilde Bärte, Augenklappen, Holzbeine und natürlich einen Haken statt einer Hand, vergraben ihre geplünderten Schätze auf einsamen Inseln, trinken Grog und Rum, meutern jeden zweiten Tag und sind die wohl unattraktivsten Männer der Welt: Piraten. Trotzdem sind sie irgendwie die Helden der Kindheit und dank "Pirates of the Carribean" auch die der großen Kinder (18+). In den vergangenen Jahren ist ein regelrechter Piratenkult entstanden. Jeder will ein massakrierender, wilder und bis an die Zähne bewaffneter Freibeuter sein. Piraten sind komischerweise trotz überwiegender negativer Eigenschaften beliebt. Dass sie vergewaltigende Räuber waren, wird ganz schnell mal verdrängt, denn sie hatten etwas, dass viele Menschen heutzutage nicht mehr haben: Ihre Freiheit. Auch ich schwelge ganz gern mal in meinem Sessel und stell mir vor, wie es wär, frei zu sein, frei wie ein Freibeuter, nicht frei wie ein Abiturient.
Ein Freibeuter der alten Schule natürlich, denn unsere heutigen Piraten haben etwas an Kultstatus verloren. Keine Bärte, keine Augenklappen oder Haken und vor allem keine Freiheit. Doch merkwürdigerweise kann ich mich auch mit ihnen identifizieren, schon allein, weil sie "Piraten" sind und weil sie noch heute die Schrecken der Meere sind, obwohl sie nur ein erstaunlich kleines Gebiet beherrschen. Diese tapferen Männer schaffen es riesige Nationen zu ärgern und kämpfen mit ihren simplen Methoden gegen die besten Flotten der Welt an. Piraten eben. Doch diese Piraten haben noch einen zusätzlichen Reiz: Sie kämpfen gegen die sozialen Missstände der Welt. Durch eine Region, die zu den ärmsten der Welt gehört, wird tagtäglich ein Kapital in Millionenhöhe geschippert, während wenige Kilometer entfernt die Leute verhungern. Und hier schreien die Piraten laut auf und handeln: Sie nehmen von den Reichen und geben es den Armen. Wie Robin Hood. Wenn das mal keine heroische Kombination ist, die Kinder- und Elternherzen höher schlagen lassen müsste. Denn die lieben Kleinen brauchen ja gute Vorbilder, die ihnen beibringen, was Gerechtigkeit ist, eben wie Robin Hood. Prinzipiell erfüllen die somalischen Piraten diese Ansprüche, wenn da nicht ein Problem wäre. Sie leben zu unserer Zeit und zeigen damit auf, dass die Ungerechtigkeit und die ungleiche Verteilung des Reichtums heute noch genauso gegenwärtig ist, wie im mittelalterlichen Zeitalter des Robin Hoods. Also doch keine Disney-Produktionen über "Hassan, den somalischen Freibeuter" und auch keine Faschingskostüme à la Feinrip-shirt mit Jeans und Panzerfaust. Schade eigentlich, aber die mediale Darstellung der Piraten ist wesentlich düsterer. Die Hintergründe gehen dabei oft verloren oder werden verdrängt. Irgendwie auch verständlich, da wir ja selbst die Bösen in dieser Geschichte sind. Wir sind sozusagen der Sheriff von Nottingham, der die restliche Welt ausbeutet, aber gegen die verhältnismäßig schwachen somalischen Robin Hoods keine Chance hat. Geschichte wiederholt sich eben doch.
Was haben wir aus diesem Post gelernt? Nix? Auch gut, denn er bietet ja nur einen Aspekt der Piraterie, einen Aspekt, der sonst oft verloren geht. Ich jedenfalls verabschiede mich für heute, schaue mir noch ne Folge "Hassan" an und stelle mir in Gedanken schon mein Faschingskostüm für nächstes Jahr vor: Fehlt mir eigentlich nur noch die Panzerfaust.
Darf man in einem Tagebuch eigentlich mehrere Einträge pro Tag verfassen? Ich hoffe mal, nicht dass ich demnächst neben der Nato-Flotte und Sheriff George noch einen deutschen Kontrolldienst für die regelkonforme Führung von Tagebüchern zu meinen Feinden zählen darf.
Mittwoch, 29. April 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen