Samstag, 30. Mai 2009

Die unendliche Einleitung

Ja, ich bin noch am Leben. Als Heuchler würde ich jetzt behaupten, ich hätte die Zeit als "kreative Pause" genutzt, um jetzt mit neuem Elan und neuen genialen Ideen diesen Blog qualitativ in neue Höhen zu bringen. Als ehrlicher Mensch gebe ich zu, dass ich mir keine Gedanken um den Blog gemacht hab, weder um neue Themen noch um neue Qualität. Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich hab mir einfach ein bisschen Ruhe, ein bisschen Spass, ein bisschen Hirnschlaf genommen. Ich habe einfach die letzten Wochen genutzt, um zu leben. Von Zeit zu Zeit braucht man das einfach. Brauch ich das einfach. Immerhin hab ich mich irgendwann dran erinnert worden, dass es diesen Blog noch gibt, und ich dachte mir, ich beweise mir selbst, dass ich nicht alles nach 2 Wochen liegen lassen.
[Eine meiner Lieblingsangewohnheiten: Ich fange etwas an, um mir selbst zu beweisen, dass ich mein Leben verändere und dass ich diese Veränderung auch will. Wenn aber etwas Zeit verstrichen ist, kehre ich zum Alltag zurück, meinen kurzzeitigen Mut und temporären Wunsch nach Veränderung schnell vergessend. Ich bin mir durchaus bewusst, dass das nicht gerade ein Sinnbild meiner eigenen mentalen Stärke ist. Aber ich kenne diese meine Schwäche und das ist ein Anfang. Wer die eigenen Schwächen nicht kennt, kann auch seine Stärken nicht ausspielen.]
Stop! (an dieser Stelle schaltet sich etwas ein .... vielleicht mein Gewissen .... wer weiß?)
1. Wollte ich heute gar nicht so viel über mich schreiben.
2. Sitze ich immer noch in der Einleitung fest, obwohl ich mir ein schönes Thema überlegt hatte, dass ohnehin schon fast zu lang für einen Blogeintrag ist.
3. Ja ich benutze das offizielle "Stop" das man auch auf (normalen) Stop-Schildern findet. Ich bin mir durchaus bewusst, dass dies in der deutschen Sprache nominell ein Schreibfehler ist, fühle mich aber dazu angehalten das aufgrund der internationalen Bedeutung des Stop-Schilds ...
Was tue ich hier? An dieser Stelle schaltet sich nochmal mein Gewissen (oder was auch immer es war) ein, um mich dran zu erinnern, dass ich im Moment nur noch dummschwätze (eine meiner Stärken? oder doch eine Schwäche?)
Die Rechte der Stop-Schilder muss ich wohl oder übel in einem der nächsten Posts erklären. Die sprengen hier leider den Rahmen.
Vielleicht innerhalb der nächsten 3 Wochen. Die letzten 3 Wochen sind ja erstmal ohne Post vergangen. (Gott was für eine geniale Überleitung; Mc Gyver wäre stolz auf mich). Heute wollte ich nun mit einem brennend interessanten Thema wieder einsteigen. Ein Thema das so interessant ist, dass nicht nur ich mir Gedanken drüber mache, sondern auch viele andere in Deutschland, vor allem die Politiker, auch unsere werte Frau Kanzlerin. Aber nicht nur in unserem Land ist dieses Thema aktuell, es beschäftigen sich noch viel mehr Menschen damit, eigentlich ist es fast omnipräsent, die ganze Welt befasst sich damit. Und wie immer in solchen Fällen gibt es 2 Arten von Leuten, die sich damit auseinandersetzten:
Die Einen (meistens Politiker) wissen alle besser, was gemacht werden soll und jede andere, noch so gute Idee ist keine Überlegung wert. Sie muss einfach falsch sein, da sie sich von der eigenen Idee unterscheidet.
Die andere Gruppe (Stammtisch-Gäste) hat keine Ahnung, was eine Lösung für das Problem wäre. Um aber trotzdem über das Thema quatschen zu können, kritisieren sie einfach mal kategorisch alle Ideen. Sie haben keine eigene Idee, aber 500 Gründe, warum die Vorschläge der anderen niemals funktionieren werden.
Wenn ich mir jetzt mal meine eigene Position hier überlege muss ich mich ein bisschen schämen, da ich mich eigentlich eher in die zweite Kategorie einordnen müsste. Allerdings sehe ich mich selbst (wahrscheinlich aus Gram) als Zwischenfall.
Da ich nun zum ca. 100. mal abgeschweift bin, habe ich beschlossen mein angepeiltes Thema nicht mehr in diesem Post anzufangen. Mein Ziel war eigentlich irgendwann auf die Wirtschaftskrise zu sprechen zu kommen. Aber dafür werden dann demnächst ein, zwei, drei, hundert neue Posts herhalten müssen. Ich verspreche es! Eigentlich wollte ich nämlich schon seit meinem zweiten Post darauf eingehen, habs aber immer wieder vor mir hergeschoben, zum einen, weil es ein soooo umfangreiches Thema ist und zum andern, weil ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich mich wirklich noch in dieses Thema einmischen soll. Es beschäftigen sich jetzt schon so viele Leute damit, dass es eigentlich wie Mainstream scheint, seine eigene Meinung in die Runde zu schreien. Da sich meine Meinung nun aber deutlich von der der meisten anderen Meinungen im Raum unterscheidet, steck ich ein bisschen in der Klemme: Ich will meine Meinung nur ungern untergehen lassen, da sie einen neuen interessanten Blickwinkel ermöglicht, den sonst anscheinend keiner sieht, bin mir aber auf der anderen Seite nicht sicher, ob sie vertretbar ist, da ich mit ihr ziemlich allein da stehe. In den letzten 3 Wochen hab ich zum Glück genug Selbstvertrauen getankt, um sie zu äußern, sie notfalls hinaus zu schreien! Ich stehe zu ihr, egal wie viele Kritiker sie findet!

Wenn "Die unendliche Geschichte" unendlich ist, was ist dann eine Geschichte, deren Einleitung schon unendlich ist?

Donnerstag, 7. Mai 2009

Vorbilder, ein Ungeheuer und eine zerstörte Axt

Another Post, Another Sleepless Night
Ich habe heute neue Saiten aufgezogen. So konnte das nicht weiter gehen, ich musste was tun! Seit dem Wochenende schon immer das Gleiche ...

Was ich getan habe? Ich werd es Euch erzählen. Samstags morgens ging es los. Bei einem wahnwitzigen Solo hat sich, wohl aufgrund der enormen Erhitzung, die E-Saite meiner wunderschönen, klangvollen Fender Squier Stratocaster mit einem lauten Schnarren verabschiedet. Für alle Nicht-Musiker: Eine Fender Squier Stratocaster ist eine Gitarre. Keine sonderlich gute, aber ich bin mit ihr sehr glücklich. Auf jeden Fall, samstags morgens wars vorbei mit der Gitarrenspielerei. Aber zum Glück hat mich das gar nicht gestört, weil ich ja nie Probleme mit Langeweile habe. Falls Ihr euch z.B. mal gefragt habt, warum ich immer nachts poste. Tagsüber kann ich zur Langeweilebekämpfung Gitarre spielen, ohne dass mein Nachbar musikalisch durch dumpfes Klopfen oder lautes Schreien dabei einsteigt. Und schon wieder schweif ich ab. Samstags morgens also. Lagebericht: Ich allein an der Langeweile-Front. Mir gegenüber ein ganzes Wochenende voll Langeweile. Meine stärkste Waffe, meine Axt - Zerstört in meinen Händen. Von dieser Situation geschockt, ohnmächtig, nicht klar denkend, kam ich zu dem Schluss das es ein Zeichen sein muss.
Es waren noch exakt 3 Tage bis zu meiner Abiprüfung in Physik. Genau 72 Stunden. Wenn man davon die Zeit zum Schlafen und Essen abzieht sind noch knapp 40 Stunden übrig. 40 Stunden für Stoff, den man in 2 Jahren hätte lernen sollen. Leise fragte ich mich: Können wir das schaffen? Dabei sah ich fragend auf meine Gitarre runter. Keine Antwort. Bisher hatte sie mir immer eingeredet, die Zeit lange noch locker, doch auf einmal bekam ich Panik und seit damals weiß ich eins: Es gibt etwas, das mindestens doppelt so schrecklich ist wie eine halbnackte Madonna auf ihren 50+Tourneen. An dieser Stelle muss ich kurz schlucken. Nicht nur wegen dem Gedanken an faltige Oberschenkel, sondern vor allem wegen dem Satz der jetzt folgt: Es gibt etwas, dass sogar noch furchtbarer ist als Langeweile - Lernen. Nicht gewöhnliches Lernen. Nein, nein, Lernen von Stoff, für den ein neuer Aggregatzustand erfunden werden müsste, um ihn richtig beschreiben zu können. "Zäh" oder "gummiartig" sind einfach zu schwache Wörter. Zwischendrin lieferte der Stoff mir auch noch einige Leckerbissen, komplizierter als das Öffnen einer Bierflasche mit nichts weiter als einem Zahnstocher. MacGyver hätte das wohl noch geschafft. Aber selbst er wäre erblasst im Angesicht des schrecklich-schauerhaften Potenzialtopfmodells. Beim Versuch es zu verstehen hätte sich sein Kopf wohl früher oder später verabschiedet, um in einer gewaltigen Explosion in tausend Teile zu springen. Ein Trick, den MacGyver im allergrößten Notfall benutzen kann, um sich wiedermal aus einer Gefängniszelle rauszusprengen, wenn er zufällig kein Stroh und auch keinen Draht zur Hand hat. Er baut sich später einfach einen neuen Kopf aus Schnee, einer Karotte und ein paar Kastanien. Den Unterschied merkt keiner.
Nachdem ich nun die Trümmer seines Schädels weggeräumt hatte, saß ich wieder da. Aug' in Aug' mit der Bestie. Ein so abstoßendes Geschöpf, dass nicht einmal somalische Piraten sich etwas derartiges ausmalen könnten. Ein Biest, so abscheulich also, dass die "Schrecken der Sieben Weltmeere" es fürchten. Ganz ehrlich: Ich hatte Angst. Jeder hätte an meiner Stelle Angst gehabt. Mich befiel schon in dem Moment eine fürchterliche Kälte, als es mir im Januar 2009 das erste Mal begegnete. Damals gebändigt von einem, der größer ist als ich. Meinem Physiklehrer. Aber nun war ich allein und es lag vor mir. Das sagenumwobene Potenzialtopfmodell. Doch ich habe es besiegt. Im Kampf ist es immer wichtig die eigenen Schwächen zu kennen. Ich wusste um meine und so konnte es mir nichts antun, denn ich habe es mit einem Kunstgriff überwunden: Ich habe es ganz einfach ausgelassen, nicht beachtet. Ich dachte mir ganz einfach: "Was würde Chuck Norris tun?" Als ich nach einer kurzen Round-house-kick-Fantasie wieder in der Realität landete, wusste ich, dass mir Chuck Norris nicht helfen könnte. Und da mein Ersatzidol grade auf dem Weg Richtung Nordpol war, nachdem es sich bei mir noch eine Karotte und ein dutzend Kastanien ausgeliehen hatte, wurde mir klar, dass ich selbst eine Entscheidung fällen musste. Und ich entschied mich für das einzig Richtige. Nämlich, etwas zu lernen, bei dem wenigstens die Chance besteht, dass ich es verstehe, bevor ich meinem Gebiss nachts beim Schlafen in seinem Glas zusehen kann.
Hat's was geholfen? Nun ich hab den meisten anderen Stoff durchgekriegt und auch beim Schreiben der Klausur wusste ich das ein oder andre. Nebenbei: Das Potenzialtopfmodell kam in der Arbeit gar nicht dran und ich bin mir sicher, ich weiß warum: Es war eine höhere Macht, die mir da geholfen hat. Ich hab mich vorher schließlich noch ein bisschen mit Gott unterhalten. So von Gitarrengott zu normalem Gott, da ist das Verhältnis logischerweise ganz gut. Und da ich jetzt ja auch wieder Saiten auf meinem Instrument habe, werd ich ihm demnächst auch die versprochene Rockhymne schreiben. Aber nicht mehr heute Nacht, denn er steht nicht so auf Flüche in Liedern. Schon gar nicht, wenn sie so hasserfüllt durch die Wand geschrien werden.

Eigentlich wollte ich ja von meinen neuen Seiten berichten, denn eins steht fest: Es muss sich was ändern und es wird sich was ändern. Heute habe ich den ersten Schritt gemacht. Es werden noch viele folgen, große und kleine, anstrengende und leichte, traurige und schöne. Die Welt steht einem Gitarristen immer offen. Und wenns doch nich klappt, hab ich ja immer noch diesen Blog. Und notfalls noch ein Abi mit ner passablen Physik-Note. Die Welt steht mir offen ...