Dienstag, 16. Juni 2009
Krisen-Gespräch
Die Wirtschaftskrise gibt es nicht.
Was? Die Wirtschaftskrise solls nicht geben? Aber jeder weiß doch, dass es die Wirtschaftskrise gibt. Sie ist doch Schuld daran, dass im Moment einfach alles schlecht ist. Die Konjunktur bricht ein, ebenso der Welthandel und damit die deutschen Exporte, die uns doch unsere Devisen verschaffen. Und alles wegen der Wirtschaftskrise. Wegen ihr werden wir Deutschen doch immer ärmer, wegen ihr müssen wir mehr Steuern zahlen, um die neuen Staatsschulden abzustottern. Sie sorgt dafür, dass immer mehr mittelständige Unternehmen bankrott gehen, dass viele ihren Job verlieren und bald all ihr Hab und Gut verkaufen müssen, dass es bald keinen Quelle-Katalog mehr gibt und keinen Karstadt und fast keinen Opel mehr. Die Wirtschaftskrise gibt es doch! Erst neulich hat mir ein Kollege von dem Bruder seines Freundes erzählt, dessen Cousin fast durch die Wirtschaftskrise arbeitslos geworden wäre. Da sieht man doch, dass sie existiert und vor allem dass sie uns verdammt nah gekommen ist. Sie kann jetzt schon jeden von uns treffen, sogar dich! Wir haben gar keinen Schutz vor ihr. Das einzige, was wir machen können ist, immer mehr zu sparen. Denn wer etwas auf der hohen Kante hat, den kriegt so leicht keine Wirtschaftskrise klein.
Du irrst dich mein Freund! Ich werde die eine Geschichte erzählen, die hoffentlich deine Meinung ändern wird:
Es war einmal in einem sehr weit entfernten Land namens USA eine Bank. Diese Bank lief großartig, denn ihre Manager hatten eine Methode entwickelt, wie sie auf dem Papier Riesengewinne machen konnten. Eines Tages ging ein Bauernjunge in diese Bank und sagte: "Ich würde gerne mein eigenes Haus bauen, aber ich hab' kein Geld." Die Bank erwiderte ihm: "Lass uns einen Pakt schließen: Ich gebe dir jetzt 100 Goldstücke. Das dürfte reichen, um ein Haus zu bauen. Im Gegenzug gibst du mir in fünf Jahren 200 Goldstücke zurück, oder deinen Erstgeborenen." Der Bauer freute sich über dieses Geschäft, denn er konnte damit sein Haus bauen. Die Bank freute sich ebenfalls über dieses Geschäft, denn sie konnte sich aufschreiben, dass sie 100 Goldstücke verdient.
Als nun die fünf Jahre verstrichen waren, ging die Bank zu dem Bauern hin und forderte von ihm: "Gib uns die 200 Goldstücke oder deinen Erstgeborenen!" Der Bauer aber antwortete: "Ich habe kein Geld und einen Sohn werde ich nie bekommen, denn ich bin impotent und arm." Hier merkte die Bank, dass sie ein Problem hatte. Denn das Gleiche war ihr schon mit vielen anderen Kunden passiert. So konnte sie sich zwar riesige Gewinne aufschreiben, hat aber das Gold nie bekommen. Und so geschah es, dass die Bank nicht mehr liquide war. Sie ging bankrott, weil ihr Management aus Idioten bestand. Aus dieser Begebenheit heraus entwickelte sich die "Finanz- und Wirtschaftskrise".
Versteh ich nicht. Was hat das ganze jetzt mit mir zu tun, der ich doch 6000 km von dieser Bank weg bin? Ich habe kein Geld bei ihr angelegt und auch rein gar nichts mit dem Bauern zu schaffen? Wie hat diese Finanzkrise es jetzt bis in meinen Betrieb geschafft? Wie ist sie zu einer globalen Wirtschaftskrise mutiert?
Ganz einfach: Sie ist es nicht, sie konnte es nicht. Es gibt keine plausible Erklärung, warum in Deutschland Leute ihren Job verlieren sollten, weil in den USA eine kleine von Idioten geleitete Bank nicht mehr liquid ist. Deshalb gibt es die Wirtschaftskrise auch nicht.
Aber warum sprechen dann alle von einer Krise? Warum gehen wirklich Banken in Deutschland bankrott? Wie kommt es jetzt zu der Situation, die wir zur Zeit hier in Deutschland haben?
Um das zu verstehen muss man psychologisch den Weg der Krise von den USA zu uns erarbeiten, denn einen wirtschaftlich bedingten Weg findet man nicht. Grob ökonomisch gesehen, gibt es keinen Grund, warum sich diese Krise ausgebreitet hat. Ihre Erfolgsgeschichte ist rein mentaler Natur.
Wir versetzten uns also ein paar Monate zurück. Die amerikanische Bank ist gerade bankrott gegangen und man hört überall, im Fernsehn, im Radio, in den Zeitungen davon. Auch die Vorsitzenden unserer Banken hören davon und sie beginnen sich, Fragen zu stellen. Haben auch andere Banken so schlecht gewirtschaftet, wie das Beispiel aus den USA? Am Ende sogar Banken aus Deutschland? Banken, denen wir sonst Geld leihen? Das Misstrauen zwischen den einzelnen Banken steigt. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Kredite auszugeben, die aber für die Wirtschaft nützlich wären.
Zwar schadet das der deutschen Wirtschaft, doch ist es nicht Grund genug für einen starken ökonomischen Einbruch. Dafür ist wieder die mentale Einstellung verantwortlich, und zwar nicht nur die der Banken sondern vor allem die der einfachen Bürger. Dadurch, dass die Medien die Gerüchte über eine Wirtschaftskrise, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden war, schüren, bekommt der Bürger Angst. Er bekommt Angst um seinen Arbeitsplatz, um seinen Verdienst und um sein bei der Bank angelegtes Geld. Diese Angst wiederum führt dazu, dass er spart, was aber der Wirtschaft schadet. Und genau dadurch ist eine Wirtschaftskrise entstanden. Nicht durch den Bankrott einiger Banken, sondern durch die Angst ums Geld, die daraus entstanden ist und die durch Schreckensmeldungen der Medien immer weiter verstärkt wird. Wer also die Wirtschaftskrise fürchtet, stärkt sie nur. Sie ist in den Köpfen der Menschen entstanden und kann auch nur dort bekämpft werden. Wenn also unsere Gesellschaft an die Existenz dieser Krise nicht mehr glaubt, wird auch die Krise nicht mehr existieren.
Deshalb sage ich: Die Wirtschaftskrise gibt es nicht.
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