Mittwoch, 26. August 2009

Früher war alles besser, oder?!

Mein Opa Frank-Walter hatte einen alten "Opel Anachronismo" in aschgrau. Es war das schäbigste und älteste Auto, in dem ich jemals sitzen durfte. Aber mein Opa liebte ihn und war der festen Überzeugung er wäre viel besser als alle neueren Autos. Ich habe bestimmt tausend mal versucht ihn davon zu überzeugen, dass ein neues Auto viel leistungsstärker und energiesparender wäre, aber er ließ sich nicht umstimmen.
Eines Tages, mitten auf der Landstraße, gab der Opel in einem lauten Krachen unter dicken Rauchschwaden den Geist auf. Ich weiß noch genau, wie wir ihn mit unserm Auto abschleppen mussten. Ein Wunder, dass er das noch ausgehalten hatte. Der KFZ-Mensch seines Vertrauens attestierte ihm wie erwartet, den wirtschaftlichen Totalschaden des Fahrzeugs.
Insgeheim freute ich mich. Nicht nur, weil mein Opa sich jetzt nicht mehr mit der alten Schrottlaube rumschlagen musste, sondern auch weil ich hoffte in seinem neuen Auto mal fahren zu dürfen. Ich wartete sehnsüchtig aufs neue Auto. Ich wartete und wartete ...
Eines Tages schau ich zum Fenster raus und da steht der aschgraue Anachronismo wieder, mein Opa nebendran, vor Stolz strahlend. Er hatte ihn reparieren lassen und das für das Schnäppchen von geschätzten 2 Neuwagen selber Größe.
Ich war traurig und enttäuscht. Natürlich hätte ein neues Auto beinhalten können, dass es ihm am Ende nicht gefallen hätte. Trotzdem hätte er zumindest mal einen Test riskieren können.
Es war frustrierend. Nicht nur wegen dem offensichtlichen Misstrauen meines Großvaters jeglichen neuen Produkte gegenüber, sondern auch der damit verknüpften Missachtung von Leistungen junger Ingenieure, junger Menschen überhaupt. Schließlich sprach er damit den ihm nachfolgenden Generationen die Fähigkeit ab, vernünftige Autos zu bauen. Er leugnete die Fähigkeiten dieser Generation, meiner Generation und somit auch meine Fähigkeiten.
Und fördern wollte er sie erst recht nicht! Nicht die Entwicklung neuer Technologien z.B. in der Autobranche und nicht die Fortbildung der Jugend. Wozu sollte sie sich denn fortbilden oder weiterentwickeln, wenn das Optimum in allen Bereichen sowieso anno 1960 erreicht war? Wozu sollte sie denn klimaschonende Automobile bauen, wenn Frank-Walter lieber in einer 60er Jahre Drecksschleuder fährt? Ein Fortschritt ist einfach nicht gewollt und bleibt deshalb auch auf Kosten der Erhaltung des Altbewährten auf der Strecke.

Wenn die Alten die Jungen nicht fördern wollen, weil sie deren Können bezweifeln, werden sie am Ende Recht behalten, denn ohne die Förderung werden die Jungen nichts erreichen und ihr Können nicht entfalten.

Wenn mehr alte Frank-Walters auf neue Autos ...
- oder gar auf eine neue, moderne Autoproduktion setzen würden, könnten wesentlich bessere Autos produziert werden.
- setzen würden, könnte sich die Standards in der Automobilbranche wesenlich schneller verbessern.
- und innovative moderne Methoden allgemein setzen würden, könnte Technik, vor allem auch klimaschonende, in allen Bereichen optimiert werden.
- und damit auf Jugend setzen würden, könnten die jungen Generationen endlich die Rückendeckung und das Vertrauen bekommen, das sie brauchen um eine nachhaltig gesunde Wirtschaft zu schaffen.

Neue Autos rollen besser. Alte Männer fürchten den Wandel. Jugend braucht Unterstützung. Mein Opa ist doof.
Erkenntnisse über Erkentnisse ....

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen