(oder auch: It's me. Mario!)
Es war früher Nachmittag als Johnny die Tür zum Barbershop aufstieß und langsam hineintrat.
"Einmal schneiden!" wies er den schmierigen Friseur an, der hinterm Tresen stand und gerade seinen wohlgeformten dicken Bauch tätschelte.
"Of course, of course, Sir! Mach ich gleich persönlich! Sagen Sie nichts, ich weiß genau, wie sie es wollen! Gleicher Schnitt, aber kürzer?"
"Ja, aber bloß nicht zu viel!"
"Si, si! Die Hälfte abschneiden?", fragte er und strich sich durch seine eigenen fettig-schwarzen Haare.
"Nicht so viel ab!"
"Ok, ok! Ich weiß bescheid!"
Nach fünf mehr oder weniger zäh verstrichenen Minuten, in denen Mr. Schmierig wild rumschnippelte und Johnny mit Erschrecken immer mehr seiner Haare fallen sah, lenkte der Friseur den Smalltalk vom heutigen Wetter auf ein neues Thema.
„Und Sie arbeiten als was im Moment?“
„Im Moment suchend:“
„Oh wirklich?! Als was?“
„Kellner oder ähnliches.“
„Gut! Gute Zeit im Moment dafür. Viele Bars die was suchen. Ich kenne da einige. Ich kann dir helfen wenn du willst. Sooo fertig! Na?“
„Joa.“ Johnny sah sich im Spiegel an. Irgendwie hatte er schon vorher gewusst, dass es so kommen musste. Er fuhr sich durch seine viel zu kurzen Haare und versuchte dabei die Löcher in der Frisur so gut wie möglich zu überkämmen. Nach einer Weile resignierte er und fragte mit einem tiefen Seufzer:
„Wieviel macht das?“
„Oh ich mache dir Special-Preis! Für dich nur 30$. Freundschaftspreis!“
Nach einem weiteren Seufzer griff Johnny in sein Portemonnaie und bezahlte den Mann.
„Wegen dem Job, komm einfach morgen oder übermorgen nochmal vorbei, ich finde dir was! Ich bin übrigens Mario.“
„Johnny.“
Donnerstag, 18. Februar 2010
GTA-Johnny II
(oder auch: „Die Steve-Dobson-Story“)
Zwei Tage waren mittlerweile vergangen und Johnny stand wieder im gleichen versifften Friseursalon und schaute Basketball auf einem kleinen Bildschirm in der hinteren Ecke des Ladens. Mario hatte nach einer herzlichen und definitiv zu körperlich betonten Umarmung angefangen mit seinem Angestellten über irgendwas zu diskutieren. Irgendwas über eine zweite Filiale hier in Auckland. Johnny hörte nicht zu. Es interessierte ihn nicht.
„Was ist mit dem Job, Mario?“, fragte er irgendwann ungeduldig.
„Domani, domani! Heute was andres. Komm mit!”
“Wohin?”
“Wohin, fragt er!” erwiderte Mario lachend.
Wenig überzeugt folgte Johnny Mario raus auf die Straße, den Block runter und an die Bushaltestelle. Mario zahlte beide Bustickets.
Nach 4 oder 5 Stationen und ein oder zwei schlechten Witzen von Marios Seite, auf die Johnny nur mit einem kühlen Lächeln antwortete, stiegen die beiden wieder aus.
„Komm, komm!“
Immer noch unmotiviert folgte Johnny Mario den Rest des Wegs die Queen Street hoch.
Trotz heftigen Schnaufens und kargen Antworten versuchte Mario weiterhin sein Gespräch aufrecht zu erhalten.
„Was macht deine Freundin? Hast du eine Freundin? Bestimmt hast du eine Freundin. Einer wie du ...“
Johnny war nicht sicher ob ihm nur die Luft mitten im Satz ausgegangen war oder ob seine Frage fertig gestellt war. Er wartete einen kühlen musternden Blick lang und antwortete:
„Keine in dieser Stadt.“
„Ahaha, du bist gut! Hah, I just love you, Johnny!“
Johnny warf ihm einen weiteren kühlen musternden Blick zu und antwortete nicht.
Schnaufend bermerkte Mario schließlich „Wir sind da“, und trat gefolgt von Johnny in einen Friseursalon, der sogar noch versiffter war als der Erste.
Drinnen saß ein Rock’a’Billy, Pomade im Haar, hautenge Jeans, ärmelloses Shirt, mindestens 3 Piercings und die Arme übersäht mit bunten und, was Johnny annerkennen musste, richtig hässlichen Tattoos.
„Hey Dan!“, grüßte Mario den Rolla, „wie geht’s dir? Wie läuft der Laden? Viel Kundschaft? Ich hoffe doch?“ fügte er lachend hinzu.
„Yoyo, groovt ganz gut heut!“
„Gut, gut! Wusste doch du bist der Richtige. Das hier ist mein guter Freund Johnny, Johnny, Dan.“
Auf das folgende „Yo“ erwiderte Johnny nur mit einem leichten Nicken in lil’Elvis Richtung.
Unbeirrt plapperte der Italiener weiter: „Ich helf Johnny hier ein bisschen. Greif ihm unter die Arme. Und zeig ihm das Geschäft und die Stadt und so. Tu ich doch Johnny?“
Das kurze Murren von Johnnys Seite genügte ihm offensichtlich als Bestätigung.
„Mein Freund hier sucht Arbeit und du kennst mich ja Dan, ich helf meinen Freunden. Mario hilft allen seinen Freunden was auch immer ist. Stimmt doch, Dan?“
„Yo, sicher tust du.“
„Ich bin schließlich ein guter Mensch. Ich helfe anderen. Ich bin wahrscheinlich der netteste Mensch in ganz Auckland. Hahaha! Oder nich!?“
„Yo biste, biste echt. Hey da war so’n Kerl hier heute. Hat mich dumm angelabert. Hat gesagt, er hat mal hier gearbeitet. Ich glaub Steve hieß er, Steve Dobson.“
„Steve Dobson? Steve Dobson?!? Hah! Ja, der hat mal hier gearbeitet. Alter Schweinehund!“
Kopfschüttelnd fuhr Mario fort:“ Steve Dobson! Ein Säufer ist das! Gesoffen hat der! Hah, alte Schnapsdrossel! Und er hat besoffen gearbeitet. Hab ihn feuern müssen dafür.“
„Was’n passiert mit dem?“ fragte Mr Schmalzlocke interessiert.
„Besoffen war er und hat nen Kunden abgeschlachtet!“
„Er hat ihn geschnitten?“, fragte Johnny gelangweilt.
„Hah, geschnitten! Geschlachtet hat er ihn. Eines Tages komm ich hier rein, ich komm hier rein in meinen Salon wie jeden Tag. Ich komm hier rein und es stinkt, es stinkt erbärmlich nach Schnaps. Und da steht Steve Dobson, genau da an dem Friseurstuhl hat er gestanden, grad hier. Er steht da und rasiert einen Kunden. Und er rasiert ihn munter und rasiert und rasiert. Auf einmal seh ich, da is Blut auf dem Boden. Ne richtige Pfütze Blut und es tropft von irgendwo. Und ich nur zu Steve:
‚Steve? Steve?! Was machst du?’
‚Ich r-r-rasier den G-Gunden, rasier ihn.’
‚Und wo kommt das Blut her? Steve? Warum ist da Blut!?’
‚B-B-Blut? Wel-*hick*, Welches Blut?’
Und da seh ichs auf einmal. Da is ein riesiger Schnitt im Nacken des Kunden. Ein riesiger tiefer Schnitt. Ich konnt die Wirbelsäule sehn, so tief war’s.
Ich versuch also mit’m Kunden zu sprechen. Aber der konnte nich. Der konnte sich nich bewegen, nur die Augen, die arme Sau! Und er konnte nich sprechen, nur bisschen stöhnen. Ich bin also schnell raus und in den Laden nebendran!
‚Gib mir Kaffeepulver! Ich brauch Kaffeepulver!’ zu dem Verkäufer.
„Kaffeepulver?“ warf Johnny mit äußerst fragendem Blick ein.
„Ja, Kaffeepulver. Hab es dem Typ in die Wunde gestreut. Die Blutung gestoppt.“
„Mit Kaffeepulver?“
„Hat geklappt. Aber das Schlimmste war Steve. Der hat immernoch nich aufgehört. Der wollte immer noch weiter rasieren.
‚Der G-Gunde is noch nich fertisch r-r-rasiert.’, hat er gesagt! Ich hab ihn heimgeschickt. Gefeuert. Nix mehr von ihm gehört. Alter Säufer! Verrückter Kerl.“
„Crazy Story, Man!“ kommentierte Dan, „Crazy.“
„Ja, ja crazy is der Typ. Naja, bin nicht hier rausgekommen um Geschichten zu erzählen. Haha, nein wirklich nicht. Wollte nur das Geld einsammeln.“
„Yoyo, grad’n Moment.“, erwiderte der Rolla und bewegte sich langsam in den Hinterraum des Salons. Johnny wusste nicht genau ob er aus Coolness so langsam war oder weil seine enge Jeans nicht mehr zuließ, wollte es aber auch nicht wirklich wissen. Er wollte nur raus aus dem stinkenden Laden.
Nach einer Minute kam Dan Rock mit dem Geld wieder und überreichte es seinem Boss. Mario zählte es nicht, sondern steckte es direkt in seine Hemdtasche, umarmte Dan ein letztes Mal und marschierte langsam zur Tür ab.
Johnny, der wohl bemerkt hatte, dass das überreichte Geldbündel wesentlich größer war als das was ein Friseursalon einnehmen sollte, wunderte sich nicht darüber, sondern war lediglich erleichtert als er hinaus aus diesem miefigen Loch in das Licht der Nachmittagssonne treten konnte und endlich wieder frische Luft atmen durfte.
Zwei Tage waren mittlerweile vergangen und Johnny stand wieder im gleichen versifften Friseursalon und schaute Basketball auf einem kleinen Bildschirm in der hinteren Ecke des Ladens. Mario hatte nach einer herzlichen und definitiv zu körperlich betonten Umarmung angefangen mit seinem Angestellten über irgendwas zu diskutieren. Irgendwas über eine zweite Filiale hier in Auckland. Johnny hörte nicht zu. Es interessierte ihn nicht.
„Was ist mit dem Job, Mario?“, fragte er irgendwann ungeduldig.
„Domani, domani! Heute was andres. Komm mit!”
“Wohin?”
“Wohin, fragt er!” erwiderte Mario lachend.
Wenig überzeugt folgte Johnny Mario raus auf die Straße, den Block runter und an die Bushaltestelle. Mario zahlte beide Bustickets.
Nach 4 oder 5 Stationen und ein oder zwei schlechten Witzen von Marios Seite, auf die Johnny nur mit einem kühlen Lächeln antwortete, stiegen die beiden wieder aus.
„Komm, komm!“
Immer noch unmotiviert folgte Johnny Mario den Rest des Wegs die Queen Street hoch.
Trotz heftigen Schnaufens und kargen Antworten versuchte Mario weiterhin sein Gespräch aufrecht zu erhalten.
„Was macht deine Freundin? Hast du eine Freundin? Bestimmt hast du eine Freundin. Einer wie du ...“
Johnny war nicht sicher ob ihm nur die Luft mitten im Satz ausgegangen war oder ob seine Frage fertig gestellt war. Er wartete einen kühlen musternden Blick lang und antwortete:
„Keine in dieser Stadt.“
„Ahaha, du bist gut! Hah, I just love you, Johnny!“
Johnny warf ihm einen weiteren kühlen musternden Blick zu und antwortete nicht.
Schnaufend bermerkte Mario schließlich „Wir sind da“, und trat gefolgt von Johnny in einen Friseursalon, der sogar noch versiffter war als der Erste.
Drinnen saß ein Rock’a’Billy, Pomade im Haar, hautenge Jeans, ärmelloses Shirt, mindestens 3 Piercings und die Arme übersäht mit bunten und, was Johnny annerkennen musste, richtig hässlichen Tattoos.
„Hey Dan!“, grüßte Mario den Rolla, „wie geht’s dir? Wie läuft der Laden? Viel Kundschaft? Ich hoffe doch?“ fügte er lachend hinzu.
„Yoyo, groovt ganz gut heut!“
„Gut, gut! Wusste doch du bist der Richtige. Das hier ist mein guter Freund Johnny, Johnny, Dan.“
Auf das folgende „Yo“ erwiderte Johnny nur mit einem leichten Nicken in lil’Elvis Richtung.
Unbeirrt plapperte der Italiener weiter: „Ich helf Johnny hier ein bisschen. Greif ihm unter die Arme. Und zeig ihm das Geschäft und die Stadt und so. Tu ich doch Johnny?“
Das kurze Murren von Johnnys Seite genügte ihm offensichtlich als Bestätigung.
„Mein Freund hier sucht Arbeit und du kennst mich ja Dan, ich helf meinen Freunden. Mario hilft allen seinen Freunden was auch immer ist. Stimmt doch, Dan?“
„Yo, sicher tust du.“
„Ich bin schließlich ein guter Mensch. Ich helfe anderen. Ich bin wahrscheinlich der netteste Mensch in ganz Auckland. Hahaha! Oder nich!?“
„Yo biste, biste echt. Hey da war so’n Kerl hier heute. Hat mich dumm angelabert. Hat gesagt, er hat mal hier gearbeitet. Ich glaub Steve hieß er, Steve Dobson.“
„Steve Dobson? Steve Dobson?!? Hah! Ja, der hat mal hier gearbeitet. Alter Schweinehund!“
Kopfschüttelnd fuhr Mario fort:“ Steve Dobson! Ein Säufer ist das! Gesoffen hat der! Hah, alte Schnapsdrossel! Und er hat besoffen gearbeitet. Hab ihn feuern müssen dafür.“
„Was’n passiert mit dem?“ fragte Mr Schmalzlocke interessiert.
„Besoffen war er und hat nen Kunden abgeschlachtet!“
„Er hat ihn geschnitten?“, fragte Johnny gelangweilt.
„Hah, geschnitten! Geschlachtet hat er ihn. Eines Tages komm ich hier rein, ich komm hier rein in meinen Salon wie jeden Tag. Ich komm hier rein und es stinkt, es stinkt erbärmlich nach Schnaps. Und da steht Steve Dobson, genau da an dem Friseurstuhl hat er gestanden, grad hier. Er steht da und rasiert einen Kunden. Und er rasiert ihn munter und rasiert und rasiert. Auf einmal seh ich, da is Blut auf dem Boden. Ne richtige Pfütze Blut und es tropft von irgendwo. Und ich nur zu Steve:
‚Steve? Steve?! Was machst du?’
‚Ich r-r-rasier den G-Gunden, rasier ihn.’
‚Und wo kommt das Blut her? Steve? Warum ist da Blut!?’
‚B-B-Blut? Wel-*hick*, Welches Blut?’
Und da seh ichs auf einmal. Da is ein riesiger Schnitt im Nacken des Kunden. Ein riesiger tiefer Schnitt. Ich konnt die Wirbelsäule sehn, so tief war’s.
Ich versuch also mit’m Kunden zu sprechen. Aber der konnte nich. Der konnte sich nich bewegen, nur die Augen, die arme Sau! Und er konnte nich sprechen, nur bisschen stöhnen. Ich bin also schnell raus und in den Laden nebendran!
‚Gib mir Kaffeepulver! Ich brauch Kaffeepulver!’ zu dem Verkäufer.
„Kaffeepulver?“ warf Johnny mit äußerst fragendem Blick ein.
„Ja, Kaffeepulver. Hab es dem Typ in die Wunde gestreut. Die Blutung gestoppt.“
„Mit Kaffeepulver?“
„Hat geklappt. Aber das Schlimmste war Steve. Der hat immernoch nich aufgehört. Der wollte immer noch weiter rasieren.
‚Der G-Gunde is noch nich fertisch r-r-rasiert.’, hat er gesagt! Ich hab ihn heimgeschickt. Gefeuert. Nix mehr von ihm gehört. Alter Säufer! Verrückter Kerl.“
„Crazy Story, Man!“ kommentierte Dan, „Crazy.“
„Ja, ja crazy is der Typ. Naja, bin nicht hier rausgekommen um Geschichten zu erzählen. Haha, nein wirklich nicht. Wollte nur das Geld einsammeln.“
„Yoyo, grad’n Moment.“, erwiderte der Rolla und bewegte sich langsam in den Hinterraum des Salons. Johnny wusste nicht genau ob er aus Coolness so langsam war oder weil seine enge Jeans nicht mehr zuließ, wollte es aber auch nicht wirklich wissen. Er wollte nur raus aus dem stinkenden Laden.
Nach einer Minute kam Dan Rock mit dem Geld wieder und überreichte es seinem Boss. Mario zählte es nicht, sondern steckte es direkt in seine Hemdtasche, umarmte Dan ein letztes Mal und marschierte langsam zur Tür ab.
Johnny, der wohl bemerkt hatte, dass das überreichte Geldbündel wesentlich größer war als das was ein Friseursalon einnehmen sollte, wunderte sich nicht darüber, sondern war lediglich erleichtert als er hinaus aus diesem miefigen Loch in das Licht der Nachmittagssonne treten konnte und endlich wieder frische Luft atmen durfte.
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